Bilanz nach 100 Tagen (Jan. 2011)
Richard Theil in einem Gespräch mit der Mittelbayerischen Zeitung
Von Vera Gabler: Warum betont man bei behinderten Menschen den Zusatz mit Behinderung. „Wir sagen doch auch nicht hier leben Menschen ohne Behinderung", so Dipl. Sozialpädagoge Richard Theil im Gespräch mit dem NT. Der 48-jährige aus Neumarkt hat im vergangenen Jahr die Gesamtleitung der Regens-Wagner-Stiftung übernommen. Nach einer Einarbeitungsphase bei seinem Vorgänger Adolf Witte will er nun die Einrichtung in die Zukunft führen. Eines der aktuellesten Themen, so Theil ist hierbei die Inklusion. „Die Forderung nach Sozialer Inklusion ist verwirklicht, wenn jeder Mensch in seiner Individualität von der Gesellschaft akzeptiert wird und die Möglichkeit hat, in vollem Umfang an ihr teilzuhaben oder teilzunehmen". Im Gegensatz zur „Integration" meint „Inklusion" den Auftrag an Staat und Gesellschaft Strukturen zu schaffen, in denen behinderte Menschen in vollem Umfang teilhaben können. Erste sichtbare Effekte zeigen sich bei der Beschulung von Kindern mit Behinderung in der Regelschule. Hier übernehmen sogenannte Schulbegleitungen die zusätzliche Betreuung während des Unterrichts. Mitarbeiter der Regens-Wagner-Stiftung seien dafür eingesetzt, so stellt Theil auch gleich die Einrichtung selber vor. 220 Wohnplätze biete die Regens-Wagner-Stiftung in Holnstein, dazu kämen 54 extern wohnende, welche die Werkstätte und Förderstätte besuchen. Es sei keine in sich geschlossene Einrichtung, wie man es von früher kennt, durch Wohngruppe wie in Berching und die Betreuung von Familien durch die offenen Hilfen und die externen Beschäftigten in den Werkstätten und der Förderstätte sei man offen geworden. „Wir wollen unsere Schützlinge auf keinen Fall entmündigen, sondern sie mit Hilfestellungen auf ihrem Weg begleiten. Dazu bedürfe es rund 350 Mitarbeiter, die gemeinsam gehen und leben sollen mit den Schützlingen. Ein neues Aufgabenfeld, welches derzeit noch in der Aufbauphase steckt, so Theil ist die Seniorenbetreuung nach dem Erwerbsleben. Um die nötigen Plätze zu schaffen bedarf es noch eines neuen Hauses, das demnächst entstehen wird. Was die Wohnstätte anbelangt, so habe man die Doppelzimmer reduziert und nun fast lauter Einzelzimmer geschaffen. Auch stehe die Erweiterung der Werkstätte mit 18 Plätzen an, so dass die Zahl der Arbeitsplätze dann auf 150 steigt. Die Landwirtschaft am Butzenberg will man darauf ausrichten, Menschen mit Behinderung in die Arbeit mit einbinden zu können. „Im Bauhof der Stadt Berching ist uns das mit einem ausgelagerten Arbeitsplatz ja schon gelungen", erinnert Theil. Theil hatte vor Amtsantritt in Holnstein rund 50 Menschen mit Behinderung betreut und dabei dieses Umfeld schätzen gelernt.