Autismus
Unsere Psychologin schreibt in der Hauszeitung:
Reflexion zu Autismus
Nachdem unsere Hauszeitung eine geeignete Plattform bietet- da nah dran am Geschehen- hier einKurzversuch, das Wesentliche zu Autismus in diesem Rahmen darzustellen:
Wortbedeutung
Der Begriff ‚Autismus’ leitet sich von den griechischen Worten ‚autos’ = selbst und ‚ismos’ = Zustand, Orientierung ab. Der Psychiater Eugen Bleuler bezeichnete im Jahre 1911 mit ‚Autismus’ einen Rückzug in die eigenepsychische Welt.
Unterteilung des Autismus
Der Autismus wird zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen gezählt. Man unterteilt den Autismus in folgende Formen:
a) den Kanner-Autismus oder auch als frühkindlicher Autismus bezeichnet
b) den atypischen Autismus und
c) den Asperger-Autismus
Zu a) Dem frühkindlichen Autismus: dieser liegt vor, wenn Die Entwicklungsstörungen bereits vor dem 3. Lebensjahr auftreten
Zu b) Dem atypischen Autismus:Dieser wird wiederum eingeteilt in den:
- Autismus mit atypischem Erkrankungsalter (die Entwicklungsstörungen treten nach dem 3. Lebensjahr auf)
- Autismus mit atypischer Symptomatologie
- Autismus mit atypischem Erkrankungsalter und atypischer Symptomatologie
zu c) Dem Aspergersyndrom: Man spricht von Asperger-Autismus, wenn keine Entwicklungsverzögerung vorliegt und die Intelligenz
gut bis überdurchschnittlich ist. Sprachliche Einschränkungen treten so gut wie nicht auf. Wesentliche Merkmale sind hier Kommunikations- sowie motorische Störungen.
Der frühkindliche sowie der atypische Autismus tritt häufiger auf als der Asperger Autismus. Charakteristisch sind folgende Symptome:
Beeinträchtigung der zwischenmenschlichen Beziehungen
Beeinträchtigung der Kommunikation und Phantasie (so lernen etwa 50 % niemals sprechen)
Ein deutlich eingeschränktes Repertoire von Aktivitäten und Interessen
Zahlreiche weitere Symptome können vorliegen wie: Probleme mit der Nahrungsaufnahme, Schlaf- und Reinlichkeitsprobleme, Aggressivität und selbstverletzendes Verhalten, fehlende Angst vor realen Gefahren.
Oftmals liegt eine Intelligenzminderung vor. Häufig kommt es zum Auftreten von Epilepsie. Auffällig ist beim Autismus generell die extreme Über- oder Unterempfindlichkeit bezüglich verschiedener sensorischer Reize. Zudem scheint es autistischen Menschen nicht immer möglich zu sein, die Reizmenge zu kontrollieren, was zum Zusammenbruch der Wahrnehmung führen kann.
Ursachen
Nachdem lange Zeit Thesen zur Psychogenese (Autismus entstehe aufgrund der emotionalen Kälte der Mutter, durch lieblose Erziehung, mangelnde Zuwendung oder psychische Traumata) der autistischen Störung dominierten, forscht man in den letzen Jahren intensiv nach biologischen Ursachen. Die psychosozialen Faktoren sind lediglich für den Verlauf des Autismus maßgeblich; so können Symptome verstärkt, aber auch reduziert werden. Man geht heute mit großer Wahrscheinlichkeit vom Vorliegen einer Hirnschädigung und Hirnfunktionsschädigung aus.
Verhältnismäßig häufig sind Geburtskomplikationen, wie zum Beispiel Sauerstoffmangel bei der Geburt. Für die Bedeutung genetischer Faktoren sprechen Familien- und Zwillingsstudien.
Therapie
Autismus ist nicht heilbar, jedoch können geeignete Hilfen und Angebote die Ausprägung verschiedener Symptome eindämmen und für die Entwicklung der betroffenen Menschen förderlich sein.
Erfahrungen und Entwicklung in Holnstein
Durch die Hilfestellung der Tagesstätte der Lebenshilfe Nürnberg (unter der Leitung von Frau Wolf) lernen wir geeignete Hilfen und Angebote für unsere Bewohner mit einer Autismusspektrumsstörung einzusetzen, so haben sich insbesondere die Methode des FC (facilitated communication oder auch gestützte
Kommunikation), wie auch die Methode TEACCH (treatment and education of autistic and related communication handicapped children) bewährt.
Durch FC kann der Bewohner seine Bedürfnisse und Wünsche so ausdrücken, dass er von geschultem Personal verstanden wird, durch TEACCH erfährt er anhand von Markierungen, sowie mittels Einsatz von Plänen und Symbolen Strukturierung von Raum und Zeit, die ihm eine bessere Orientierung im Alltag
ermöglichen.
Generell lässt sich sagen, dass unser gemeinsames Ziel darin besteht, den Menschen mit Autismus noch mehr gerecht zu werden, dabei aber auch weiterhin unsere anderen Bewohner ohne Autismus genauso im Auge zu behalten.